Senckenberg macht Forschung erlebbar
Ahnengalerie mit 27 Kopfmodellen von Urmenschen
Frankfurt a.M., 7. Oktober 2009 _ Der Alte Mann von La Chapelle (Homo neanderthalensis), der Nussknacker-Mensch (Paranthropus boisei) und die Steinheimerin (Homo heidelbergensis) sind drei von insgesamt 27 lebensechten Kopfmodellen in der Ahnengalerie der Senckenberg Sonderausstellung „Safari zum Urmenschen“. Auf der Grundlage von fossilen Knochen- und Schädelfunden aus Afrika, Europa und Asien und mit Hilfe von anthropologisch-forensischen Rekonstruktionsmethoden konnten die lebendigen und individuellen Gesichter der menschlichen Urahnen für die Ausstellung geschaffen werden. Die Exponate dokumentieren Schritt für Schritt sieben Millionen Jahre Menschheitsgeschichte.

Gruppe Paranthropus boisei, © Senckenberg
„Mit der Sonderausstellung zeigt das Naturmuseum und Forschungsinstitut Senckenberg seine aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten – realistisch, spannend und kunstvoll in Szene gesetzt“, sagte Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung anlässlich eines geführten Rundgangs mit geladenen Medienvertretern. „Hier wird die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und die wissenschaftliche Arbeit zu ihrer Erforschung sehr anschaulich und gut verständlich präsentiert“, fügte er an. Die feierliche Eröffnung der Sonderausstellung wird am Donnerstag, den 8. Oktober 2009 um 18.00 Uhr in Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann stattfinden.
Das zentrale Konzept der Sonderausstellung ist eine Reise zu den Ahnen der Menschheit auf zweifache Weise: Mit dem Betreten einer originalgetreu inszenierten Grabungsstätte in Afrika reist der Besucher zu den aktuellen Projekten der Senckenberg-Forscher und kann ihre Arbeit direkt miterleben. Dann folgt der zweite Teil, eine Zeitreise durch die Evolution. Hier werden auch aktuell diskutierte Funde wie z.B. der Primatenfund „Ida“ (Darwinius masillae) aus der Grube Messel in die Entwicklungsgeschichte eingeordnet.
„Mit dieser Sonderausstellung kann Senckenberg sehr seltene und wertvolle Funde für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Das ist ein wichtiger Teil unseres Auftrages als Naturmuseum und Forschungsinstitut“, sagte Dietmar Schmid, Präsident der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
Die extrem seltenen und sehr wertvollen originalen Fragmente von fossilen Menschen werden in einer gesonderten Schatzkammer ausgestellt. Auch der Primatenfund „Ida“ wird hier zum ersten Mal im Original in Deutschland zu sehen sein. Das 47 Millionen Jahre alte Fossil ist aufgrund seines hervorragenden Erhaltungszustands für die Wissenschaft von unschätzbarem Wert: Man erkennt nicht nur das Skelett, sondern auch den Körperumriss sowie feinste Haare und den Mageninhalt.
Auch im Original wird der Unterkiefer des Homo rudolfensis, des ältesten Urmenschen der Gattung Homo, gezeigt. Mit einem Alter von etwa 2,5 Millionen Jahren ist dieses vom Senckenberg-Forscher Prof. Friedemann Schrenk gefundene Fossil eine Besonderheit unter den Ausstellungsstücken.
Die Sonderausstellung geht weit über die reine Präsentation von Forschungsergebnissen hinaus und bindet den Besucher direkt in das Geschehen am Ausgrabungsort mit ein. „Durch unsere erlebnisorientierte Inszenierung einer Grabungsstätte bekommt der Besucher einen lebendigen Einblick in den Arbeitsalltag der Forscher und erlebt praktisch hautnah, wie die seltenen Spuren unserer Vergangenheit gefunden, geborgen und dann wissenschaftlich untersucht werden,“ erläuterte Museumsleiter Dr. Bernd Herkner. Schritt für Schritt wird so der komplexe Weg der Suche nach einem Fossil über den Fund durch Einsatz von moderner Technologie wie Satellitenfotos und Computertomografie bis hin zur Datenauswertung und wissenschaftlichen Erkenntnis nachvollziehbar.
Mit der Präsentation von Werkzeugen, Waffen wie den 400.000 Jahre alten Schöninger Speeren und Kunstgegenständen wie Venusfiguren aus der Altsteinzeit zeigt die Ausstellung die weiteren Entwicklungsschritte der Menschheit. Insgesamt präsentiert das Senckenberg Naturmuseum die Meilensteine der Menschheitsgeschichte mit rund 250 Exponaten sowie 25 Displays und Medieneinheiten auf 1000 qm Ausstellungsfläche.
Öffnungszeiten:
Die Sonderausstellung wird vom 9. Oktober 2009 bis zum 18. April 2010 in der Wolfgang-Steubing-Halle zu sehen sein und ist von Sonntag bis Dienstag zwischen 9 und 18 Uhr sowie von Mittwoch bis Samstag zwischen 9 und 20 Uhr geöffnet. (cnc)
Weitere Informationen zur Ausstellung „Safari zum Urmenschen“:
- Detailinfos zur Ausstellung
- www.urmensch.senckenberg.de
Für die großzügige Unterstützung dankt Senckenberg den Förderern:
Flughafen Frankfurt/Main für die Region, Hertie-Stiftung, International Women’s Club Frankfurt, Schack-Stiftung, Senckenberg-Friends, Erika und Walter Datz-Stiftung, Breuckmann GmbH.
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen
Das Senckenberg Naturmuseum mit seinem gleichnamigen, weltweit agierenden Forschungsinstitut zählt zu den größten Naturkundemuseen in Deutschland und zeigt die heutige Vielfalt des Lebens (Biodiversität), die Entwicklung der Lebewesen (Evolution) sowie die Verwandlung der Erde über Jahrmillionen hinweg. Neue Forschungsergebnisse aus allen Bereichen der Biologie, Paläontologie und Geologie werden präsentiert und durch aktuelle Sonderausstellungen ergänzt.
Begleitbuch
Zur Ausstellung „Safari zum Urmenschen“ gibt es ein Begleitbuch in der Kleine Senckenberg-Reihe 51.
- Autoren: Thorolf Hardt, Bernd Herkner, Ulrike Menz
- Details: 2009, 144 Seiten, 146 farbige Abbildungen, 19 x 22,5 cm, ISBN 978-3-510-61395-3, broschiert, 9,80 Euro. Das Buch ist im Shop erhältlich.
- Weitere Informationen zum Buch und zu anderen Senckenberg-Publikationen:
- E. Schweizerbart‘sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller)
Johannesstraße 3a
70176 Stuttgart
Telefon +49 (711) 35 14 56 – 0
Telefax +49 (711) 35 14 56 – 99
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Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt